Wohnungsmarkt: Erneuter Anstieg von Mieten und Preisen in Deutschland erwartet

Wie die Experten von Scope Investor Services (Scope) berichten, erlebt der deutsche Wohnimmobilienmarkt momentan seinen längsten Aufschwung der Nachkriegsgeschichte. Es bestehen gerade in Metropolen und Wachstumsstädten angespannte Mietmärkte und lokale Preisüberhitzungen an Märkten für Eigentumswohnungen. Anspannungen und Übertreibungen bleiben laut Scope vorerst bestehen. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind robust, die Zahl der Privathaushalte wird weiter ansteigen und die Wohnungsmarktnachfrage ankurbeln. Der Markt strebe nur langsam mit allmählich zunehmender Bautätigkeit einem größeren Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entgegen. Zwar geht Scope davon aus, dass sich der Anstieg von Mieten und Preisen am deutschen Wohnimmobilienmarkt über die nächsten fünf Jahre abflachen werde, dadurch seien aber keine drastischen Preisrückgänge zu erwarten. Die Landesbausparkassen rechnen bis Jahresende mit Preisanstiegen zwischen 3-5% auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt. Deutsche Bank Research rechnet 2017 mit Preissteigerungen für Wohnungen (Wiederverkauf) um 6,6% und 2018 um 7,5%, in A-Städten um 7,5% (2017) bzw. 8,5% (2018). Die Mietensteigerung wird für 2017 mit 4,0% und für 2018 mit 4,5% angenommen. Wohneigentum bleibt laut Deutsche Bank Research erschwinglich. Dabei gibt es jedoch ausgeprägte regionale Unterschiede und die Erschwinglichkeit dürfte abnehmen.

Der empirica-Blasenindex stieg zum 2. Quartal 2017 wieder an. Mieten und Kaufpreise wachsen in 240 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten nicht mehr im Gleichklang: in 168 Kreisen zeigt der Blasenindex eine mäßige bis hohe Gefahr. Eine spekulative Blase sei nach wie vor unwahrscheinlich, berichteten IW Köln und IRE|BS Universität Regensburg im Rahmen einer Studie, die von der gif Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung e. V. und anderen Einrichtungen beauftragt wurde. Die Preisentwicklung sei gut erklärbar und das Finanzierungsverhalten habe sich kaum verändert. Zu beachten sei jedoch, dass Zinsen, Konjunktur und Nachfrage derzeit äußerst günstige Rahmenbedingungen bilden und Marktkorrekturen bei einem oder mehreren dieser Faktoren in den nächsten Jahren wahrscheinlich seien. Eine Mehrheit der von der Immobilien Zeitung (IZ) befragten 13 Institute bzw. Immobilienresearcher glaubt, der deutsche Immobilienboom werde bis 2019 anhalten, einige wenige sehen laut IZ den aktuellen Zyklus erst 2020 seinen Höhepunkt erreichen. Einen steilen Absturz werde es in den darauf folgenden Jahren nicht geben – es sei denn, die EZB drehe kräftig an der Zinsschraube.

Angesichts des vielerorts deutlich gestiegenen Mietniveaus gab es vor der Bundestagswahl Rufe nach stärkerer Regulierung des Wohnungsmarkts. Die aus Eigentümersicht bedeutsamste neu eingeführte Regulierungsmaßnahme, die Mietpreisbremse, gilt in mehr als 300 Gemeinden in zwölf Bundesländern. Während sich ihre Einführung in Mecklenburg-Vorpommern verzögert, steht die Mietpreisbremse bereits in einzelnen Bundesländern im Nachgang von Landtagswahlen auf der Kippe