Gesamtwirtschaft: Die wirtschaftliche Expansion wird sich weiter stabilisieren

Nachdem die deutsche Wirtschaft auch im 3. Quartal 2017 Stärke zeigt, deuten die volkswirtschaftlichen Indikatoren auf eine Fortsetzung des Wachstums hin. Daher hat das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) die Zuwachsrate des BIP für 2017 auf voraussichtlich 2,0% angehoben (zuvor 1,7%).

Investitionen und Exporte werden nach und nach zu den Standbeinen des Aufschwungs. So dürften die Unternehmensinvestitionen aufgrund der sehr günstigen Absatz- und Ertragsaussichten zunehmen, zumal die aus dem unsicheren internationalen Umfeld resultierenden belastenden Faktoren offenbar allmählich abklingen. Zudem dürften Bauinvestitionen angesichts der sehr anregenden Rahmenbedingungen, darunter nicht zuletzt die äußerst günstigen Finanzierungsbedingungen, weiter mit hohen Raten ausgeweitet werden.

Vor dem Hintergrund des kontinuierlich angestiegenen GfK-Konsumklimas, das sich derzeit auf einem Rekordstand befindet, dürfte auch der private Konsum weiterhin zu einem der Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft gehören. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland sollte sich also auch im 4. Quartal 2017 weiter dynamisch entwickeln, auch wenn die Wachstumsrate leicht niedriger ausfallen könnte. Dafür spricht die zuletzt zu beobachtende Aufwertung des Euros, welche Exporte in die Nicht-Eurozone verteuert und damit weniger attraktiv macht, sowie die Zunahme der geopolitischen Risiken – insbesondere die Zuspitzung des Konfliktes mit Nordkorea – und die damit verbundenen höheren Unsicherheiten. Unterstützung für eine Fortsetzung des Aufschwungs kommt auch von den vergleichsweise niedrigen Ölpreisen, der günstigen Zinslandschaft sowie der anziehenden Weltwirtschaft – vor allem in der an Fahrt aufnehmenden Eurozone, dem wichtigsten Handelspartner für Deutschland.

Für das kommende Jahr 2018 rechnet das IfW mit einer weiteren Beschleunigung der konjunkturellen Dynamik und einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um inzwischen 2,2% (zuvor 2,0%). Dafür spricht, dass die binnenwirtschaftlichen Expansionskräfte weiter hoch und das monetäre Umfeld äußerst stimulierend bleiben dürften. Mit der Belebung der Weltwirtschaft dürften sich zudem die Perspektiven für die Ausfuhren weiter verbessern.

Die vor dem Hintergrund der zunehmenden Überauslastung möglichen Abwärtsrisiken verlieren nach Ansicht des IfW insgesamt etwas an Gewicht. Die jüngsten wirtschaftspolitischen Erfahrungen und Entscheidungen, wie ein inzwischen unwahrscheinlich gewordener einschneidender transatlantischer Handelskonflikt oder vor allem die in Frankreich hervorgebrachte Regierung, die den Bestand der EU politisch nicht in Frage stellt, tragen dazu bei. Allerdings stehen in Italien noch Parlamentswahlen an, während der Nordkorea-Konflikt die Stabilität der internationalen Ordnung und damit auch das Umfeld für weltwirtschaftliche Aktivitäten belastet. Zudem ist abzuwarten, inwieweit die Europäische Zentralbank weiter an ihrer ultraexpansiven Nullzinspolitik festhalten kann. Die binnenwirtschaftliche konjunkturelle Grundtendenz ist jedoch laut den Prognosen weiter kräftig aufwärtsgerichtet und ein zyklisch bedingter Einbruch erscheint derzeit äußerst unwahrscheinlich.