Gesamtwirtschaft: Der wirtschaftliche
Aufschwung beschleunigt 2018 nochmal

Die deutsche Wirtschaft befindet sich auf dem Weg in eine Hochkonjunktur. Das zeigt sich vor allem an der Überauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten, die im Prognosezeitraum spürbar zunehmen dürfte, während der Lohn- und Preisanstieg sich weiter verstärkt. Nachdem bereits die Prognose für das BIP in 2017 mehrfach nach oben revidiert wurde, hat das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) die Zuwachsrate des BIP für 2018 aufgrund der positiven Frühindikatoren auf 2,5% angehoben (zuvor 2,2%). Das ifo Institut geht von einem Anstieg des BIP von inzwischen 2,6% aus.

Anziehende Investitionen, ein dynamischer Export sowie ein kräftiger staatlicher und privater Verbrauch bleiben auch 2018 die wesentlichen Standbeine des Wachstums. So dürften insbesondere die Unternehmensinvestitionen in Ausrüstungen aufgrund der sehr günstigen Absatz- und Ertragsaussichten zunehmen, zumal die aus dem unsicheren internationalen Umfeld resultierenden belastenden Faktoren offenbar allmählich abklingen. Die deutsche Wirtschaft profitiere von den deutlich verbesserten Konjunkturaussichten im Euroraum und den Überseestaaten und damit von einer starken Nachfrage des Auslandes nach hiesigen Industriegütern. Dies kurbelt zudem die gute Lage am Arbeitsmarkt weiter an, sodass auch der private Konsum und die Bauwirtschaft weiterhin kräftig expandieren werden, wenngleich sich ihr Beitrag etwas abschwächen wird. Die weiter anhaltenden, äußerst günstigen Finanzierungsbedingungen unterstützen dabei die Fortsetzung des Aufschwungs.

Je weiter die ökonomische Aktivität über das Normalmaß hinaus expandiert, desto größer werden die zyklischen Risiken für einen möglichen konjunkturellen Rückschlag. Ein Grund besteht darin, dass in Phasen einer Hochkonjunktur Ressourcen in systematischer Weise fehlgelenkt zu werden drohen. Hierdurch bilden sich verstärkt Produktionsstrukturen heraus, die auf Dauer nicht marktfähig sind. Finanzwirtschaftliche Übertreibungen in Zeiten sehr expansiver Geldpolitik – insbesondere verzerrte Vermögenspreise – verstärken diesen Prozess. Je stärker sich der vorangegangene Boom ausprägen konnte, desto härter kann die Bereinigung dieser Fehlentwicklungen im Rahmen einer Anpassungsrezession ausfallen. Neben den weltwirtschaftlichen Risiken (wie ein Scheitern der Brexit-Verhandlungen, ein zunehmendes Finanzstabilitätsrisiko Chinas oder ein schnelleres Anheben der Leitzinsen in den USA) können auch konjunkturbedingte Risiken entstehen – nicht zuletzt, weil viele Unternehmen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und es zunehmend schwieriger wird, qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Aufgrund der Verzögerung in der Regierungsbildung liegen indes noch keine Erkenntnisse zu möglichen wirtschafts- und finanzpolitischen Impulsen vor, die die Prognose beeinflussen könnten.

Für 2019 rechnen das IfW und das ifo noch mit einem Wachstum des BIP von 2,2% bzw. 2,1%.

Wohnungsmarkt: Preise für deutsche Wohnimmobilien werden 2018 voraussichtlich weiter steigen

Der Aufwärtstrend am Immobilienmarkt geht in das neunte Jahr und befindet sich damit in einer „reifen“ Phase, berichten die Experten der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen. Die Rahmenbedingungen bleiben 2018 positiv. Die Preise für deutsche Wohnimmobilien werden 2018 weiter zulegen, da sich an den Treibern des Aufschwungs wenig ändert: Der deutsche Wohnungsmarkt werde von einer anhaltend hohen Nachfrage geprägt sein. Die Bevölkerung wächst, allerdings schwächer als im Ausnahmejahr 2015. Die starke Binnenwanderung in die großen Ballungszentren werde anhalten. Das Angebot wächst allenfalls moderat und ungeachtet etwas höherer Hypothekenzinsen bleiben die Finanzierungskonditionen sehr günstig, berichten die Experten der Helaba. Nach Ansicht von Scope Investor Services (Scope) bestehen gerade in Metropolen und Wachstumsstädten angespannte Mietmärkte und lokale Preisüberhitzungen an Märkten für Eigentumswohnungen. Beides bleibe vorerst bestehen. Scope geht davon aus, dass sich der Anstieg von Mieten und Preisen am deutschen Wohnimmobilienmarkt über die nächsten fünf Jahre abflachen werde, dadurch seien aber keine drastischen Preisrückgänge zu erwarten. Deutsche Bank Research rechnet 2018 mit Preissteigerungen für Wohnungen (Wiederverkauf) um 7,5%, in A-Städten um 8,5%. Die Mietensteigerung wird für 2018 mit 4,5% angenommen. Die Experten von empirica erwarten ebenfalls, dass die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland 2018 weiter steigen, wenn auch weniger stark als in den Vorjahren. Der stärkere Neubau dämpfe den Auftrieb und es fehle an zusätzlichen Impulsen. Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) ist mit Blick auf die vielerorts schon sehr hohen Immobilienpreise zurückhaltend. Angesichts robuster Bedingungen erwarte der ZIA aber keine Trendumkehr, die Preise dürften im Schnitt zunächst stabil bleiben. Wohneigentum bleibt laut Deutsche Bank Research erschwinglich, die bundesweite Erschwinglichkeit ging aber im Jahr 2017 leicht zurück und wird voraussichtlich auch 2018 etwas abnehmen. Bei der Erschwinglichkeit gibt es zudem ausgeprägte regionale Unterschiede.

Der empirica-Blasenindex überschritt zum 3. Quartal 2017 zum ersten Mal seit 13 Jahren die Nulllinie gegenüber dem „blasenfreien“ Referenzjahr 2004. Zum 4. Quartal 2017 stagniert der Gesamtindex in Wachstumsregionen und steigt in Schrumpfungsregionen leicht an. Mieten und Kaufpreise wachsen in 247 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten nicht mehr im Gleichklang. In 17 Kreisen werden laut empirica zu viele Wohnungen gebaut. Für 199 Kreise zeigt der Blasenindex eine mäßige bis hohe Gefahr. Nach Ansicht der Experten von Aengevelt-Research bestehe lediglich für ganz wenige einzelne Teilmärkte, die bereits seit Jahren von einer überdurchschnittlichen Dynamik gekennzeichnet sind, möglicherweise die Gefahr einer Preisblase. Laut Aengevelt-Research begünstigen Urbanisierung und Niedrigzinsen die Bautätigkeit, spekulativer Wohnungsbau sei nicht zu beobachten und auch andere Vorboten einer Blase seien nicht erfüllt. Viel hänge davon ab, wie lange die Märkte durch das Zinsniveau begünstigt werden. Spätestens bei einer Kehrtwende der Zinspolitik werde sich zeigen, ob und in welchem Umfang es zu einer Blase kommen kann. Eine Mehrheit der von der Immobilien Zeitung (IZ) befragten 13 Institute bzw. Immobilienresearcher glaubt, der deutsche Immobilienboom werde bis 2019 anhalten, berichtete die IZ im September 2017. Einige wenige sehen den aktuellen Zyklus erst 2020 seinen Höhepunkt erreichen. Einen steilen Absturz werde es in den darauf folgenden Jahren nicht geben – es sei denn, die EZB drehe kräftig an der Zinsschraube.

Etwaige wohnungspolitische Maßnahmen einer neuen Bundesregierung werden sich nach Einschätzung der Experten der Helaba wohl weit in das neue Jahr (2018) hinein verzögern, sodass sich ihre Wirkung erst im folgenden Jahr entfalten würde. Die vor wenigen Jahren neu eingeführte Regulierungsmaßnahme „Mietpreisbremse“ gilt in mehr als 300 Gemeinden in zwölf Bundesländern. In Mecklenburg-Vorpommern verzögert sich ihre Einführung und in einzelnen Bundesländern steht die Mietpreisbremse im Nachgang von Landtagswahlen auf der Kippe.