Entwicklung von Gesamtwirtschaft und Branche

Deutsches Wirtschaftswachstum festigt sich

Nach Angaben des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW) gewinnt die Konjunktur in Deutschland trotz eines unruhigen weltwirtschaftlichen Umfelds wieder an Fahrt. Nachdem sich zu Jahresbeginn 2015 der Anstieg des BIP mit 0,3% etwas verlangsamt hat, konnten günstige Produktionszahlen den Zuwachs auf 0,4% im 2. Quartal 2015 steigern. Stagnierende Ausfuhren führten jedoch im Herbst zu einer schwächeren Zunahme um 0,3%. Kräftige Impulse gingen jedoch von den Dienstleistungsbereichen aus und auch die Unternehmenszuversicht signalisierte eine hohe konjunkturelle Dynamik, sodass im 4. Quartal 2015 noch eine Steigerung des BIP um 0,5% erzielt werden konnte. Nach Angaben des IfW hat das BIP im Jahr 2015 insgesamt um 1,7% zugelegt. Eine günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt mit robusten Einkommenszuwächsen sowie temporär wirkenden Faktoren wie höhere monetäre Sozialleistungen und die Einführung des Mindestlohns sorgten dafür, dass der private Konsum seit Jahresmitte wieder kräftig angezogen hat, während die erste Jahreshälfte verhaltener ausfiel. Gründe lagen darin, dass zum einen das real verfügbare Einkommen kaum anstieg, zum anderen die vorübergehende Erholung der Ölpreise zu einem Schub bei den Verbraucherpreisen führte. Auf der Verwendungsseite war der Investitionsmotor im Sommerhalbjahr ins Stocken geraten, was bei den Bauinvestitionen zum Teil auf Witterungseffekte zurückzuführen war. Zum Jahresende expandierten die Unternehmensinvestitionen wieder spürbar, dürften aber auf Jahressicht hin ein Drittel unter dem Wert von 2014 liegen. Der Investitionsaufschwung festigt sich jedoch mehr und mehr. Dafür sprechen nicht zuletzt verbesserte Absatz- und Ertragsaussichten, auch wegen der Abwertung des Euro und der zyklischen Komponente mit zusehends angespannten Produktionskapazitäten. Das Bauhauptgewerbe operiert weiterhin nahe der historischen Höchstauslastung. Es hat sich bestätigt, dass die Abwertung des Euro und der niedrigere Ölpreis eine raschere Expansion der Exporte förderte. Nachdem die Exporte im 1. Halbjahr 2015 noch eine solide Zuwachsrate von rund 1,7% aufwiesen, war der Zuwachs der Ausfuhren im 2. Halbjahr 2015 voraussichtlich mit rund 0,4% Steigerung sehr verhalten. Während die amerikanische Notenbank erstmals seit zehn Jahren den Leitzins um 0,25% auf eine Spanne von 0,25 bis 0,5% Ende 2015 erhöht hat, setzt die Europäische Zentralbank (EZB) laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) ihre expansive Geldpolitik fort. Seit September 2014 liegt der Hauptrefinanzierungssatz unverändert bei 0,05%.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter günstig, die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zieht weiter deutlich an, berichtet die Bundesagentur für Arbeit. Danach lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote in 2015 bei 6,4% und damit 0,3 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr.

Nachdem die Inflationsrate seit Juni weiter auf 0,0% im September 2015 gesunken ist, zog die Verbraucherpreisentwicklung im 4. Quartal 2015 wieder leicht an. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate − gemessen am Verbraucherpreisindex – in 2015 durchschnittlich 0,3% höher als im Jahr 2014. Dämpfend wirkte, wie schon in den Vormonaten, die rückläufige Preisentwicklung im Energiesektor, während der moderate Anstieg der Verbraucherpreise auf Preissteigerungen im Nahrungsmittelbereich zurückzuführen ist.

Wohnungsmarkt

Entwicklung der Mieten stabilisiert sich

Die Mietpreisentwicklung in Deutschland hat sich nach Angaben des Immobilienverbands Deutschland IVD weiter stabilisiert. Im Vergleich zum Vorjahr lag der Anstieg im bundesweiten Durchschnitt bei etwas weniger als 3%. Der Mietanstieg bei Bestandswohnungen verlief moderat mit rund 2,9% bei Wohnungen mittleren Wohnwerts und 2,7% bei Wohnungen guten Wohnwerts. In den von Nachfrageüberhang geprägten Großstädten ab 500.000 Einwohnern lagen die Mietsteigerungen mit 4,2% (mittlerer Wohnwert) noch etwas höher. Die Neubaumieten stiegen im selben Zeitraum um 2,9% (bzw. 3,3%) bei Wohnungen mittleren (bzw. guten) Wohnwerts. Auch hier fiel der Anstieg in den deutschen Großstädten, die durch einen starken Nachfrageüberhang gekennzeichnet sind, höher aus. Die von einigen Experten prognostizierten Vorzieheffekte im Zuge der Einführung der Mietpreisbremse blieben laut Einschätzung des IVD aus. Für seine Auswertung hat der IVD die Wohnungsmarktdaten des 2. und 3. Quartals 2015 aus 370 deutschen Städten und Kommunen zusammengetragen und ausgewertet.

Die Kaufpreisentwicklung bei Eigentumswohnungen liegt laut IVD zwar unter Vorjahresniveau, die Preise steigen aber weiter spürbar an. Dies gilt gleichermaßen für Neubau und Bestandswohnungen mittleren und guten Wohnwerts. Im bundesweiten Durchschnitt stiegen die Kaufpreise für Eigentumswohnungen zwischen 4,5 und 5,8%. Nach Einschätzung des IVD ist der Boom der großen Städte nun auch in den Kleinstädten angekommen. Hier zeigen sich Nachholeffekte bei den Preissteigerungen. Generell gelte aber weiterhin die Faustregel: Je größer die Stadt, desto höher der Preiszuwachs.

Rekordjahr auf dem deutschen Wohninvestmentmarkt

Nach Angaben der Experten des Maklerhauses Savills wurde auf dem deutschen Wohninvestmentmarkt im Jahr 2015 ein Handelsvolumen von insgesamt rund 22,5 Mrd. € erreicht. In der Auswertung sind Paketgeschäfte ab 50 Wohneinheiten erfasst. Damit war dies das bislang umsatzstärkste Jahr auf dem deutschen Wohninvestmentmarkt. Auf Käuferseite dominieren deutsche Investoren mit einem Anteil von nahezu 90% das Geschehen, auf Verkäuferseite eher ausländische Investoren mit einem Anteil von 58%. Ein Großteil der Transaktionen spielte sich nach Aussage von Savills zwischen börsennotierten Wohnungsgesellschaften ab. Vonovia kaufte mehr als 150.000 Wohnungen und war damit größte Käuferin, gefolgt von Deutsche Wohnen, LEG Immobilien und Adler Real Estate. Investoren kaufen verstärkt auch Wohnungspakete außerhalb der großen Metropolen, was nach Ansicht von Savills Ausdruck des starken Nachfrageüberhangs in Top-Standorten und des generellen Vertrauens der Investoren in den deutschen Wohnungsmarkt ist.

Mietpreisbremse in vielen Bundesländern bereits in Kraft

Das Mietrechtsnovellierungsgesetz wurde am 5. März 2015 vom Deutschen Bundestag beschlossen und am 27. April 2015 im Bundesgesetzblatt verkündet. Unter anderem darf nach dem Gesetz in nachgewiesenen angespannten Wohnungsmärkten bei Wiedervermietung der neue Mietpreis die ortsübliche Vergleichsmiete höchstens um 10% übersteigen. Vor der Mietpreisbremse vereinbarte Mieten können aber erneut abgeschlossen werden. Das Gesetz sieht zudem eine zeitliche Befristung vor und nimmt Neubauten sowie die erste Vermietung nach umfassender Modernisierung aus. Die Regelung gilt seit 2015 bereits in neun Bundesländern, darunter z. B. Berlin, Hamburg, einigen Städte und Gemeinden Nordrhein-Westfalens und Bayerns. Weitere Bundesländer könnten folgen. So tritt die Regelung beispielsweise zum 1. Januar 2016 auch für 31 Städte und Gemeinden Brandenburgs in Kraft.